BASF vor dem Blackout oder unterbewertet?

BASF WKN: BASF11 ISIN: DE000BASF111 (Stand 21.08.2022)
Dass der russische Gashahn immer weiter zugeschraubt wird, ist natürlich nicht nur für die eigenen vier Wände ein Problem, sondern auch für die Industrie. Gerne arbeitete man mit der günstigen Energie aus dem Osten, verdrängte die unmittelbare Abhängigkeit und baute sich kaum Alternativen für Lieferengpässe auf. Das rächt sich jetzt und zeigt sich in den Verwerfungen von Kursentwicklungen bei eigentlich soliden Unternehmen. Das Versorgungsproblem zieht jetzt z. B. bleischwer den Kurs der BASF nach unten. Denn der Konzern verbraucht laut NZZ so viel Gas wie die ganze Schweiz. Auf der anderen Seite könnten sich hier Chancen für forsche Anleger bieten.

Gut sehen die Zahlen und Prognosen von BASF aus. Der Chemiekonzern rechnet für 2022 mit einem Umsatz von 86 bis 89 Milliarden Euro. Das Jahr zuvor waren es etwa 77 Milliarden. Die bereinigten operativen Gewinne konnten in den ersten beiden Quartalen sogar um 10 Prozent gesteigert werden.

Der Grund ist einfach: Aufgrund seiner Marktstellung konnte die BASF die gestiegenen Kosten direkt an ihre Kunden weiterreichen. Außerdem profitiert man vom gestiegenen Dollar, mit dem die internationale Kundschaft bezahlt. Auch die Mehrheitsbeteiligung am Öl- und Gaskonzern Wintershall Dea zeigte sich bei den steigenden Rohstoffpreisen dieses Jahr als besonders lukrativ. Die optimistischen Prognosen der BASF setzen allerdings voraus, dass es zu keiner gasbedingten Produktionseinschränkung kommt und mögliche weitere Probleme mit China gibt.

Dennoch wird die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau bei einem Kurs/Buchwert von unter Eins gehandelt und lockt auch noch mit einer Dividende von knapp 8 Prozent. Die Angst das in Ludwigshafen die Lichter ausgehen könnten ist groß. Vorstandschef Martin Brudermüller warnte bereits, dass das Unternehmen seine Produktion einstellen müsste, wenn die Gasversorgung längere Zeit auf unter die Hälfte des Bedarfs sänke. Im Hauptsitz Ludwigshafen und weiteren Standorten stellt man daher die Energieversorgung um, damit zumindest Teile der Versorgung durch Öl ersetzt werden kann. Aus Ludwigshafen kommen Spezialchemikalien sowie Kunststoffe für zahlreiche Branchen.

Vorstandschef Martin Brudermüller hat neben der teilweisen Optimierung der Energieversorgung noch eine Möglichkeit im Blick: Die Verlagerung in außereuropäische Standorte. Die BASF ist weltweit in 90 Ländern vertreten. Etwa 60 Prozent der Umsätze werden im außereuropäischen Ausland gemacht. Diese sind von den Energieproblemen nicht betroffen. Sollte die Gasversorgung in Ludwigshafen dauerhaft unter die Hälfte des Bedarfs sinken, müsste die Produktion dort eingestellt werden. Das wäre gut für eine dezentrale Produktion. Aber natürlich desaströs für den Standort Deutschland.

Fazit: Gelegenheit für mutige Anleger
Auf dem aktuellen Kursniveau bietet sich eine interessante Einstiegsgelegenheit in die Aktie der BASF. Eine hohe Dividende, ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm von 3 Milliarden Euro in diesem Jahr und starke Zahlen bei Umsatz und Gewinn sprechen für die Aktie. Ein Blick auf den Langfristchart zeigt, dass es sich bei der BASF um einen Zykliker handelt der jetzt besonders für Dividendenjäger ein mögliches Schnäppchen darstellt. Die Probleme in Sachen Energieversorgung und weltwirtschaftliche Unwägbarkeiten, sollten im Kurs jetzt eingepreist sein. Natürlich sind auch noch günstigere Einstiegsmöglichkeiten möglich. Daher empfiehlt es sich erst mal eine kleine Einstiegsposition aufzubauen und zu schauen was die kommenden Monate bringen.

Achtung: Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung des vorgestellten Wertes dar.

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